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Tagebuch WM Dortmund 2012 - Erlebt und erlauscht

Kategorie: News
29.03.2012 11:21 - Bild ittf courtesy

Wieder einmal fand die Tischtennis- Weltmeisterschaft statt. In der Zeit von 25. März bis 1. April 2012 konnte man viele spannende und dramatische Spiele in der Westfallenhalle erleben, worüber ebenfalls ausführlich in der Tages- und Fachpresse sowie von anderen Medien berichtet wurde. Neben den Spielen habe ich einiges hinter den Kulissen mitbekommen und war Zeuge mancher nicht gerade alltäglicher Ereignisse. Dazu hier mein Tagebuch!

Samstag, den 24. März

Der Tag vor dem offiziellen Beginn der WM. Für die Veranstalter ist es der schwierigste Tag. Die Mehrheit der Mannschaften sind an diesem Tag angereist, alles musste wie am Schnürchen laufen - wenn der erste Eindruck positiv ist, bleibt es auch so. Wehe wenn dies nicht der Fall ist, dann kann man kaum eine positive Bewertung der Veranstaltung erwarten.
Die letzte deutsche Tischtennis-Weltmeisterschaft fand 2006 in Bremen statt. Noch heute erinnern sich viele an oft stundenlanges warten bei der Akkreditierung, noch heute sind etliche, vor allem afrikanische Tischtennis Verbände, sauer auf die Tatsache, dass sie damals nicht rechtzeitig die Einreise-Visa bekommen haben. So war der Anfang in Bremen, alles Gute was die Organisatoren dort nachher geleistet haben, stand teilweise im Schatten des ersten Tages. In Dortmund hat man aus den vorangegangenen Fehlern gelernt - Transport, Akkreditierung und Hotelunterbringung wurden schnell und reibungslos erledigt. Alle Mannschaften welche die Einreise-Visa besorgen mussten, waren überaus begeistert über die kosten- und problemlose Beschaffung. Auch in den Tagen danach gab es viel Lob für die Veranstalter und Organisatoren.

Am Tag vor den ersten Spielen haben gleich drei europäische Herren Mannschaften aus der Championsdivision das Fehlen ihrer Top Spieler beklagen müssen. Tiago Apolonia, Nr. 1 von Portugal, musste zu einer Operation, Portugal hatte keinen annähernd gleichwertigen Ersatz für ihn. Bei den Slowenen war es noch schlimmer, ihr bester Spieler Bojan Tokic musste wegen Übermüdung absagen, er spielte seit Beginn der Saison fast ohne Pause - für die Nationalmannschaft, für den erfolgreichen FC Saarbrücken in der Bundesliga, der Championsliga und dem Deutschen Pokal, bei Pro-Tour Turnieren, bei Europameisterschaften usw. Irgendwann wird auch ein Profi K.O.!!. Auch Kroatien ist ohne den eingebürgerten Chinesen Tan Ruiwu angekommen - mit ihm, Primorac und Gacina wäre die Mannschaft gut für manche Überraschung gewesen, doch der Chinese ist aus einem mir unverständlichen Grund nicht gekommen. Der Vereinseigentümer, gleichzeitig Vizepräsident des Kroatischen TT Verbandes, hat seinem Spieler Tan Ruiwu verboten mit der Nationalmannschaft nach Dortmund zu fliegen. Dies unter dem Vorwand, dass seine Vereinsmannschaft 5 Tage nach der WM das Endspiel der Mitteleuropäischen Liga spielen soll und Tan nach der WM viel zu müde wäre für dieses "wichtige" Spiel! Bei diesem Tournier, welches kein offizieller ETTU Wettbewerb mit Ranglistenpunkten ist, handelt es sich um einen Wettbewerb in welchem Vereine aus Österreich, Slowenien, Kroatien, Tschechien und Slowakei meistens mit ihren jungen Leuten spielen, welche internationale Erfahrung sammeln sollen. Der Vereinsvorsitzende hat seinem Spieler hohe Vertragsstrafe angedroht wenn er trotz Verbot nach Dortmund fährt. Außer großen Wirbel in den kroatischen Medien ist dem Vereinschef nichts passiert, er ist weiterhin Vizepräsident des Verbandes!! Andere Länder, andere Sitten!

Sonntag, den 25. März

Es geht los, bei den ersten Spielen sind trotz schönem Wetter viele Zuschauer anwesend! Schon am ersten Tag gab es viele spannende Spiele, Überraschungen wie den glänzenden Start von stark geschwächten Portugiesen mit Siegen über Singapur und Serbien.
Bei den Damen klingt es wie eine Sensation, dass auch zwei Damenmannschaften von den Staaten der Arabischen Halbinsel dabei sind - Qatar und Bahrain spielen nicht nur bei den Herren sondern auch bei den Damen mit!! Andere erzkonservative Länder angeführt von Saudi Arabien nehmen nicht teil, es wird sicher noch einige Zeit dauern bis es soweit ist. Wir müssen dabei an die Geschichte von Qatar denken - 1997 wurde erstmals die Pro-Tour in Doha, Qatar gespielt, doch damals nur Herren, Damen durften noch nicht! Es war eine beispiellose Ausnahme das die ITTF dies zugelassen hat - als Ausgleich wurde in Beirut, Libanon die Pro-Tour nur mit Damen Einzel und Doppel gespielt!! Die ITTF hat nachher gesagt, dass die Pro-Tour mit Damen- und Herren, Einzel und Doppel ohne Ausnahme gespielt werden müssen. Qatar hat das auch akzeptiert, was damals eine kleine Sensation war. Bahrain hat Anfang des neuen Jahrtausends angefangen mit Damentischtennis im eigenen Lande, eine Prinzessin hat sich stark für Frauensport gemacht! Aus Qatar hört man, dass in Doha eine Chinesin als Damentrainerin tätig ist und dass zurzeit noch recht wenige Frauen Tischtennis spielen. Frauensport gehört nicht zu dem Männerverband, der Plan sieht vor Frauensport intensiv zu propagieren. Wie berichtet, steht auch entsprechende finanzielle Unterstützung bereit - auch im Tischtennis steht das Geld für etwa ein Dutzend Damentrainerinnen bereit! Es fehlen lediglich die Spielerinnen!!
Aus den Kreisen der Europäischen Tischtennis Union hörte man, dass die Nationalverbände von Albanien, Andorra, Armenien, Serbien und Türkei ihre Mitgliedsbeiträge nicht bezahlt haben, es wurde sogar erwägt die Verbände zu sperren. Verwunderlich dabei ist jedoch, dass aus Serbien der ETTU Vizepräsident und aus der Türkei der Veranstalter und Sponsor von mehreren großen ETTU Veranstaltungen kommt?!

Montag, den 26. März

Beim Kongress der ETTU wurde ein neues Format für Europa Top 12 beschlossen. Wichtig dabei ist, dass jeweils 3 beste U 21 Spielerinnen und Spieler zum Turnier eingeladen werden. So will man offensichtlich vermeiden, dass Europa Top 12 fast ein Veteranen Turnier wird, wie es in den letzten Jahren mehr und mehr der Fall war! Frisches Blut für Europa Top 12 ist begrüßenswert. Für Europa wäre es jedoch weit besser, wenn sich junge Spielerinnen und Spieler ihren Platz im Turnier aufgrund ihrer Leistungen und nicht ihrem Alter qualifizieren würden!
Bei den Herren gab es eine völlig unerwartete Niederlage von Japan gegen Polen, für die Polen blieb dies der einzige Sieg in der Gruppe!! Bei den Damen gab es kuriose Spiele, wie das Spiel von Dänemark gegen Kongo Brazaville - im ersten Match siegte Skov für Dänemark, danach gewann Jacobsen weil ihre Gegnerin aus Kongo nicht antreten konnte, anschließend verlor Dänin Agerholm ihr Spiel und Skov gewann ihr Match kampflos. Eigentlich war der Stand der ausgespielten Spiele 1:1, doch das Spiel endete 3:1 für Dänemark und dabei spielte Jacobsen aus Dänemark keinen einzigen Schlag!
Im Herrenspiel Serbien gegen Spanien sorgte der Serbe Karakasevic für Aufsehen. Er spielte gegen den mittlerweile 48jährigen "Spanier" He Zhiwen, der vor einem Vierteljahrhundert in der chinesischer Weltmeistermannschaft stand! Manche haben sich an die Weltmeisterschaften 1997 in Manchester erinnert - damals gelang Karakasevic einer der größten Erfolge seiner Kariere - in erster Runde gewann er nach einem glänzendem Spiel haushoch gegen den Olympiasieger Guo Liang, der heute Trainer der Weltmeister Mannschaft ist. In zweiter Runde wartete auf Karakasevic He Zhiwen, der genauso wie Guo Liang penholder mit Noppen nach außen spielt, nur nicht so gut. Nach der Gala Vorstellung gegen Guo Liang erwatete man einen souveränen Sieg von Karakasevic, doch in Handumdrehen war es 3:0 für He Zhiwen ausgegangen! Nach so vielen Jahren spielen beide weiter für ihre Nationalmannschaften und sollten entscheidende Punkte jeweils für den Sieg ihrer Mannschaft sichern. Es war ein Spiel auf Messers Schneide, He Zhiwen führte schon 2:0, hatte Matchball, verlor den dritten, vierten und fünften Satz in der Verlängerung! Karakasevic schimpfte immer wieder in seiner Muttersprache. Plötzlich kam der Oberschiedsrichter und warnte ihn, er soll aufhören zu schimpfen. Karakasevic fragte ihn, woher er denn wüsste, dass er schimpft, worauf Oberschiedsrichter erklärte Zuschauer hätten ihm übersetzt was Kara herumschrie. Karas hatte gleich die Antwort parat - diese Zuschauer sind keine vereidigten Dolmetscher, lassen sie mich in Ruhe! Einige Punkte danach schimpfte Kara wieder, drehte sich den Zuschauern und sagte - "Wenn Nole (sein bekannter Landsmann Djokovic, der beste Tennis Spieler der Welt) schimpft, dann klatschen alle, wenn ich schimpfe kommen die Schiedsrichter angerannt.“ Diesmal hatte auch das Publikum die Antwort parat - zurück kam "spiel wie Nole dann kannst du auch schimpfen wie er!"

Dienstag, den 27. März

Am Vormittag war die Jahresversammlung des Swaythling International Clubs - es ist ein Verein der ehemaligen Nationalspielerinnen und Spieler welche bei den Weltmeisterschaften gespielt haben. Der Verein kümmert sich neben humanitären Angelegenheiten auch um offizielle Veteranen Meisterschaften. 2012 stehen die Veteranen Weltmeisterschaften in Stockholm an, für die 3.200 Veteranen aus 65 Ländern angemeldet sind, über 300 sind auf der Warteliste(!). Man beschloss, ab 2016 auch die Kategorie über 90 einzuführen - der ehemalige Vizeweltmeister Schöler erklärte, dass nach Prognosen nur in Deutschland im Jahr 2045 über zwei Millionen Leute älter als 100 Jahre werden, die Zukunft des Veteranen Tischtennis sei gesichert!!
Was die Veteranen anbetrifft so wurde im Scherz gesagt, dass sich allzu viele europäische Veteranen verirrt haben und nach Dortmund gekommen sind, anstatt nach Stockholm zur Veteranen WM zu fahren. In Dortmund waren, in führenden Rollen in ihren Mannschaften, viele europäische Spieler dabei, welche über 40 Jahre alt und so berechtigt sind bei den Veteranen mitzuspielen, wie zum Beispiel Jörgen Persson, He Zhiwen, Zoran Primorac, Jean M. Saive, Werner Schlager, Kalinikos Kreanga, Alan Bentssen, Evgenij Tschetinin, Petr Korbel, was nicht gerade für den europäischen Nachwuchs spricht!
Bei den Damen gibt es auch etliche ältere Damen, das Problem ist jedoch noch viel größer, da Europa bei den Damen Jahr für Jahr in den Ranglisten abrutscht. Vor Dortmund in der aktuellen Weltrangliste konnte man unter ersten 50 Damen die beste "echte" Europäerin, 32 jährige Viktoria Pavlovich am Platz 28 finden. Von den besten 50 der Welt sind lediglich 13 aus Europa, doch von diesen 13 sind 8 ehemalige chinesische Spielerinnen, zum Beispiel auch die 46 jährige ehemalige chinesische Nationalspielerin Ni Xialian, welche für Luxemburg spielt.




Mittwoch, den 28. März

Beim ITTF Kongress wurde beschlossen, dass die nächste Mannschafts- WM 2015 in China in Souzhu stattfinden soll. Es wurde wie immer darüber diskutiert, ob für alle offenen Weltmeisterschaften etwa 150 Mannschaften sinnvoll sind. Es gibt gute Gründe die dagegen sprechen, jedoch auch Gründe die dafür sprechen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass das bestehende System geändert werden kann - nur die Top Mannschaften haben Interesse an WM für die man sich qualifizieren muss, die große Mehrheit ist für den bestehenden Modus. Jetzt wird nur versucht die Teilnahme bei den Kontinental Meisterschaften als Bedingung für die Teilnahme bei den WM einzuführen.
Die ITTF hat mit der Insel St. Marteen und dem afrikanischem Staat Tschad zwei neue Mitglieder aufgenommen, was die Zahl auf 217 erhöht hat!!
In der Spielhalle 2 konnte man mittags etwas seltenes bewundern - auf drei Tischen nebeneinander kämpften gleichzeitig für ihre Mannschaften 3 Abwehrspezialisten - Lasan, Slowenien und Gionis Griechenland bei den Herren und daneben Bilenko, Weissrussland bei den Damen! Es war fast so wie in den alten Zeiten!!
Mit befremden haben viele Zuschauer neue Rituale der Schiedsrichter vor dem Spiel beobachtet. Rigorose Schlägerkontrollen werden in separatem Raum durchgeführt. Schiedsrichter messen am Tisch vor dem Spiel in einer fast komisch wirkender Prozedur lediglich ob die Schlägeroberfläche eben ist und die Beläge zugelassen sind - manche Schiedsrichter blättern dazu in den großen Zulassungslisten um sicher zu sein, dass der Belag von der ITTF zugelassen ist!

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Donnerstag, 29. März

Beim ITTF Vorstand wurden viele wichtige Themen besprochen. Obwohl die Einführung von Plastik Bällen schon ab 1.9.2013 vorgeschlagen war hat man doch eingesehen, dass so ein überstürzter Tausch von Celluloid zu Plastik Bällen zu viele Probleme auslösen würde. Man einigte sich auf neuen Stichtag: der 1.9.2014. Wobei man nicht ganz sicher sein kann, dass dies der endgültige Termin ist. Auf jeden Fall werden in zwei Jahren oder eventuell etwas später Celluloid Bälle ausgedient haben. In der Industrie verwendet man Celluloid gar nicht mehr, lediglich TT Bälle werden noch aus diesem Material hergestellt. So gesehen ist es völlig normal, dass man zu modernem Plastik als Ersatz für Celluloid greift. Das Problem besteht darin, dass die Plastik Bälle, welche nach einer völlig neuen Technologie hergestellt werden, noch nicht genügend getestet sind. Ebenfalls sind noch nicht alle Probleme für die Massenproduktion gelöst. Die Hersteller haben zugegeben, dass sie für den vorgesehen Termin 1.9.2013 nicht annähernd genug Bälle produzieren können - man könnte etwa 6-8 Millionen Bälle bis dann herstellen, allein Europa braucht 15 - 20 Mio.!! Außerdem müssen die Testverfahren für die neuen Bälle zum Teil noch anpassen werden.
Die Profi-Spieler sind aktiv geworden, sie haben Vladimir Samsonov als Vorsitzenden ihrer Kommission gewählt und möchten damit erreichen, dass sie mehr Mitspracherecht bei interessanten Fragen bekommen. Als erstes schlagen sie eine längst fällige Korrektur der Ranglisten Punkte vor- man soll negative Punkte die man für Niederlagen bekommt minimalisieren. Gerade diese negativ Punkte veranlassen die Spieler Turniere zu meiden und lieber keine Niederlage, zum Beispiel von einem nicht rangierten jungen Chinesen, zu riskieren - so etwas kostet sehr viele Punkte und das Abrutschen in der Rangliste!! Die Spieler möchten auch mehr Transparenz bei der Schlägerkontrolle, möchten wissenschaftlich überprüfen lassen ob Grenzwerte, welche für Schläger und Beläge festgesetzt wurden, richtig sind.
Samsonov, der noch vormittags bei der ITTF Sitzung die Vorschläge der Spieler an die ITTF Sitzung weiterleitete, musste nachmittags für Belarus das Spiel der ersten Hauptrunde spielen. Er gewann zwar sein erstes Einzel aber im entscheidenden Spiel gegen Gao Ning aus Singapur hatte er keine Chance. Im Spiel zwischen den Verteidiger Tchetinin und Gao Ning kam es zu einem nicht alltäglichem dritten Satz. Den Ersten Satz gewann glatt Tchetinin, dann stellte sich Gao Ning bestens auf Abwehr ein und gewann glatt den zweiten Satz. Im dritten Satz begann auch er das Spiel zu beherrschen, doch dann gewann Tchetinin Punkt für Punkt mit Kanten- oder Netzbällen. Nach 6 solchen Bällen gewann er den dritten Satz gegen den entnervten Gao. Danach wirkte Gao im vierten Satz unsicher und Tchetinin führte 9:8, war nur noch zwei Punkte vom Sieg entfernt - in diesem Moment gelang Gao ein Kanten Ball zum Ausgleich und danach die Führung, der fünfte Satz ging anschließend glatt an Gao!!

Freitag, 30. März

Im Viertelfinal Spiel Deutschland - Schweden kam es zur Begegnung Timo Boll - Jörgen Persson. Jörgen Persson war schon bei den Weltmeisterschaften 1989 in Dortmund dabei, besiegte im Endspiel mit Schweden China, kam ins Endspiel im Einzel! 23 Jahre danach spielt er wieder bei einer WM in Dortmund, ist mit seinen 45 Jahren für Olympia 2012 qualifiziert, aber im Spiel gegen Boll sieht man, dass Jörgens große Zeiten vorbei sind! Von Schweden hört man, dass sie nicht einfach alle die sich in irgendeiner Sportart qualifiziert haben nach London schicken, man verlangt einen Nachweis, dass man in London würdig Schweden vertreten kann. Persson hat noch kein grünes Licht, man ist jedoch überzeugt, dass seine große Kariere für ihn sprechen wird und er nach London mitkommt.
An diesem Tag haben die meisten Mannschaften ihre jungen Ersatz Spieler eingesetzt - für die überwiegende Mehrheit war es nicht mehr wichtig ob man einige Plätze höher oder niedriger platziert wird.
Schiedsrichter waren Gott sei Dank in diesem Turnier kein allzu großes Thema. Doch damit es nicht ganz ohne Diskussionen vergeht, haben sich manche Schiedsrichter bemüht die Spieler verrückt zu machen. Es war bewundernswert, wie zum Beispiel der junge Tscheche Obeslo mit der Sache umging. In einem hart umkämpften Spiel zählte ihm ein Schiedsrichter beim Vorhand Aufschlag öfters den Punkt wegen falschen Aufschlag ab. Egal ob der Aufschlag nun tatsächlich falsch war oder nicht, bemerkenswert war, dass wenn Obeslo die Seite wechselte und nun beim Vorhand Aufschlag dem anderen Schiedsrichter zugedreht war ihm nicht ein einziger Aufschlag abgezählt wurde. Entweder hat ein Schiedsrichter richtige Aufschläge für falsch erklärt oder hat der andere Schiedsrichter falsche Aufschläge als richtig zugelassen - die dritte Variante, dass der Spieler auf einer Tischseite richtig, auf anderen falsch aufgeschlagen hat ist höchst unwahrscheinlich! Jedenfalls hat Obeslo Nervenstärke bewiesen und das Spiel am Ende noch knapp gewonnen.

Samstag,den 31. März

Das Platzierungs- Spiel der Herrenmannschaften von Dänemark und Frankreich war etwas noch nie erlebtes. Dänemark spielte, wie es Sportdirektor Sartz ausdrückte, mit Opa Alan Bentssen und seinem Kindergarten, bei den Franzosen waren der aktuelle Europajugendmeister Flore und der vorhergehende Jugendmeister Robinot dabei. Im ersten Spiel trafen sich Europas Veteranen Meister in der Kategorie über 40 Alan Bentssen und der aktuelle Jugendeuropameister Flore. Im ersten Satz spielte der alte Fuchs Bentssen den Jugendmeister aus, doch danach wurde es eine Einbahnstrasse - Flore stellte sich auf das Spiel ein und gewann ohne größere Probleme. Doch der Teufel schläft nicht - Bentssen kam auch zu seinem zweiten Spiel, gegen den vorletzten Jugendeuropameister Robinot - dieser wurde von dem Veteranenmeister regelrecht ausgespielt!
In den Spielen der besten Spieler der Welt sieht man meistens weniger attraktives Tischtennis als in den Klassen darunter. Die Besten, schon gar die Chinesen schaffen es mit ein, zwei Schlägen den Punkt zu gewinnen (oder zu verlieren), es wird nicht lange herumgefackelt, längere Ballwechsel sind selten zu bewundern. Im Spiel Deutschland gegen Japan haben zwei Weltklasse Spieler Ovcharov und Mizutani in zweitem Satz von Stand 9:9 bis zum Stand 13:13 alle 8 Punkte mit einem oder zwei Schlägen beendet - die Zuschauer waren mit größtem Interesse dabei und so vermissten sie keine attraktive Spielzüge - doch kann es so in alle Ewigkeit weitergehen?


Sonntag, 1. April

Die Westfallenhalle war wieder ausverkauft. Im Vergleich zu den letzten Mannschafts- Weltmeisterschaften in Moskau 2010 war es phantastisch - in Moskau hat es auch eine große, schöne Halle gegeben, doch Zuschauer gab es kaum welche, es war eigentlich für eine Tischtennis- Weltmeisterschaft eine traurige Atmosphäre. Gut, dass die nächsten Weltmeisterschaften in Paris stattfinden, dort wird Bercy genauso voll sein wie in Dortmund die Westfallenhalle! Ehemaliger DTTB Vizepräsident Klaus Maier erzählte, dass es nicht von ungefähr kommt. Erstens kommen laut Umfragen in Deutschland etwa 90 % der Besucher beim Tischtennis aus dem Tischtennis (Spieler mit ihren Familien), Zweitens, man gibt sich jegliche Mühe Zuschauer zu Veranstaltungen anzulocken. Tischtennis Marketing Gesellschaft hat über verschiedene Glückspiele über 20.000 Adressen von Tischtennis Begeisterten angesammelt, unterbreitet ihnen regelmäßig Angebote für verschiedene Veranstaltungen.
Deutschland hat es jedoch nicht geschafft China vom Thron zu stürzen.
Bei den Damen hat es Singapur nicht geschafft den in Moskau sensationell erkämpften Titel gegen China zu verteidigen. China spielt eben in einer anderen Liga als alle anderen!!


Prof. Radivoj Hudetz

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